Editorial

Neue Perspektiven

In politisch turbulenten Zeiten eine Quartalszeitschrift zu machen, ist gar nicht so einfach. Ist dieser oder jener Politiker noch im Amt, ist diese oder jene Regierungskoalition bereits geplatzt, hat es in dieser oder jener Zukunftsfrage schon einen Richtungswechsel gegeben, wenn das Magazin erschienen ist? Man weiß es nicht. Und weil man nicht über eine Kanzlerin schreiben möchte, die zum Zeitpunkt des Erscheinens vielleicht keine mehr ist, oder einen politischen Konflikt analysieren will, der längst keine Relevanz mehr hat, ist es sinnvoll, zwei oder drei Schritte zurückzutreten, sich vom tagespolitischen Hickhack zu entfernen, um das politische Geschehen aus größerer Entfernung zu betrachten. Dadurch können sich neue Perspektiven erschließen, es treten politische Zusammenhänge und Entwicklungen deutlicher hervor.

Der renommierte israelische Militärhistoriker Martin van Creveld betrachtet sein Fachgebiet – obwohl er in Jerusalem, also inmitten eines Dauerkonfliktes, lebt – aus großem Abstand und mit wissenschaftlicher Präzision. Er kommt dabei, was den Selbstbehauptungswillen, die Zukunft und die militärische Schlagkraft des Westens betrifft, zu düsteren Ergebnissen. Einen positiveren Ansatz hat Frank Stronach. Der erfolgreiche Wirtschaftsmann und Milliardär hat ein Buch geschrieben, in dem er aufzeigt, wie man die Welt etwas besser machen könnte. Stronach ist ein Praktiker, einer, der Probleme lösen und nicht zerreden will. Und das liest man in seinem Buch. Zwei spannende Interviews.

Die beiden deutschen Autoren Christoph Braunschweig und Michael Brückner, zwei Experten in ihren Fachgebieten, widmen sich der Großmacht China und dessen Verhältnis zu Europa und dem Westen. Und das ist für unsere Zukunft allemal relevanter, als ob Peter Pilz oder Frau Bißmann im österreichischen Nationalrat sitzen oder nicht, ob Christian Kern noch immer trotzt oder Horst Seehofer vielleicht einmal nicht umfällt. Mit etwas Abstand ändern sich die Perspektiven und Prioritäten.

Und weil diese Ausgabe in der Ferien- und Urlaubszeit erscheint, ist auch der Lebensstil-Teil umfangreicher ausgefallen. Neu hinzugekommen ist unter anderem eine wunderbare Weinkolumne einer echten Kennerin.

Dieser Sommer könnte ein guter werden. Für Österreich und für Europa. Während der EU-Ratspräsidentschaft hat Bundeskanzler Sebastian Kurz die Chance, zu einem der wichtigsten und prägendsten Politiker in der EU zu werden und in entscheidenden politischen Fragen die Weichen neu zu stellen, eine echte Wende auf europäischer Ebene einzuleiten, auch wenn die österreichischen Medien mit Linksdrall seine Rolle gerne kleinzuschreiben versuchen. Sie schmollen noch immer gemeinsam mit den roten, grünen und den alten schwarzen Sozialisten wie ein trotziges Kind, weil sie von den Wählern auf das politische Abstellgleis geschoben worden sind. Das können und wollen sie nicht verstehen, weil sie trotz der vielen Baustellen und großen Schäden, die sie hinterlassen haben, noch immer fest von sich, ihrer Ideologie und ihrer moralischen Überlegenheit überzeugt sind.

Weshalb man alles schlechtschreibt und madigmacht, was die türkis-blaue Regierung umsetzt, selbst auf die Gefahr hin, weitere Leser zu vertreiben. Genau deshalb sind kritische Medien wie Frank&Frei wichtig. Genau deshalb braucht es in der heimischen Medienwüste auch ein paar andere Stimmen.

Ich wünsche Ihnen eine spannende und aufschlussreiche Lektüre.

Werner Reichel
Chefredakteur
Team Stronach Akademie
Verlag Frank&Frei
Nikolsdorfer Gasse 1, 1050 Wien
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