Editorial

Zwischenbilanz

Seit der Angelobung der türkisblauen Regierung feuern viele heimische Medien, allen voran der ORF, aus allen Rohren auf die Freiheitlichen. Das Ziel und die Absicht dahinter sind klar: Man versucht alles in seiner medialen Macht stehende, um der Regierung, insbesondere der FPÖ, zu schaden. Dazu werden die Freiheitlichen mit zum Teil fragwürdigen Methoden angepatzt. Strache, Kickl und Co. können aus Sicht der linken Journalisten gar nichts richtigmachen. Das passt nicht in ihr simples Weltbild. Selbst die Überlegung, rund 20 Polizeipferde in Wien einzusetzen, wird zum Skandal aufgeblasen. Dass sich ausgerechnet die Sozialisten und ihre Helfershelfer in den Medien, die der rot-grünen Verschwendungspolitik in Wien seit Jahren gelassen zusehen, nun ausgerechnet um die lächerlichen Erhaltungskosten für rund 20 Pferde sorgen, ist dabei nur ein skurriler Nebenaspekt.

Der ÖVP gönnt man hingegen eine Ruhepause. Auch das nicht ohne Hintergedanken. Man versucht, einen Keil zwischen die Koalitionspartner zu treiben. Der Sturm im heimischen Blätterwald wird sich erst legen, wenn endlich wieder ein SPÖ-Mann, und sei es nur Christian Kern, im Bundeskanzleramt residiert. Das ist das linke Establishment in Medien, Kultur, Verwaltung oder Wissenschaft so gewöhnt. Schließlich war das im letzten halben Jahrhundert für mehr als 40 Jahre lang der Fall. Die progressiven Kräfte des Landes wollen, dass alles so bleibt, wie es war.

Der Preis dafür, dass Journalisten nicht mehr als Journalisten, sondern als Polit-Aktivisten agieren, dass sie die Menschen nicht mehr informieren, sondern erziehen und lenken wollen, ist hoch. Man verspielt gerade das letzte Vertrauen, das die Menschen noch in die klassischen Medien haben. Das zeigt eine aktuelle Umfrage aus Deutschland, die selbst den („im Zweifelsfalle“) linken „Spiegel“ beunruhigt: 36 Prozent der Befragten stimmen der Meinung zu: „In meinem persönlichen Umfeld nehme ich die gesellschaftlichen Zustände ganz anders wahr, als sie von den Medien dargestellt werden.“ 35 Prozent stimmen dem teilweise zu.

Über 70 Prozent der Deutschen – in Österreich dürfte es nicht viel anders sein – sind der Meinung, die Medien bilden die Realität nicht mehr richtig ab, sondern präsentieren ihre eigene Version davon. Das ist keine Ohrfeige für die Medien. Das ist ein Faustschlag in die Magengrube. Man macht trotzdem weiter. So lange bis die Auflagen völlig im Keller sind. Das Nachrichtenmagazin „News“ hatte 1995 noch eine stolze Reichweite von knapp 20 Prozent. 2016 waren es gerade einmal 5,1 Prozent. In Deutschland hatte die „BILD“-Zeitung 2015, als sie die Willkommenseuphorie noch massiv befeuerte, 2,1 Millionen Stück Auflage. Jetzt sind es nur noch 1,5 Millionen. Und der Lerneffekt bei den Blattmachern: gleich null.

Das ist das Spannende und für Frank&Frei irgendwie Erfreuliche: Trotz dieses Stimmungswechsels in der Bevölkerung, trotz erodierender Reichweiten und des dramatischen Bedeutungsverlusts der Medien machen die Journalisten und Verlagshäuser weiter wie bisher, bis selbst der letzte treue Leser gestorben oder geflüchtet ist. Zu groß ist die Eitelkeit, zu eingefahren das Denken, zu aufgeblasen das Ego, zu dicht gewoben jene Netzwerke, in die die Journalisten und ihre Arbeitgeber, die Medienhäuser, eingebunden sind. Man fürchtet sich vor den Gespenstern, die man selbst erschaffen hat und ignoriert weiterhin all jene Gefahren und Entwicklungen, die man auch bisher verleugnet und verdrängt hat. Klug ist das nicht. Frank&Frei hat sich anders positioniert. Nein, wir sind nicht objektiv, nein, wir sind nicht neutral. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wer das von sich oder seinem Medium behauptet, ist entweder naiv oder ein Lügner.

Frank&Frei deckt ein sehr breites politisches Spektrum ab, von libertär bis konservativ, von rechts bis liberal, von bürgerlich bis kapitalistisch. Wir versuchen jenen Lesern und Autoren eine Heimat zu geben, die sich politisch nicht im linken Lager verorten. Damit steht man ziemlich alleine da, obwohl der Großteil der Österreicher eben nicht politisch links steht. Die heimische Medienlandschaft bildet schon lange nicht mehr die Gesellschaft in diesem Land ab. Es sind zwei völlig unterschiedliche Welten. Deshalb blicken wir optimistisch in die Zukunft, zumal wir bisher stets richtiggelegen sind. Am Cover der zweiten Ausgabe gehen Ulrike Lunacek und der damals noch als Star gefeierte Martin Schulz mit grinsendem Gesicht unter. Mittlerweile sind beide von der Bildfläche verschwunden. Die von uns in Ausgabe Nr. 3 angekündigte Zeitenwende ist längst eingetreten und dass Angela Merkel und ihre Verbündeten in Brüssel und Paris, Juncker und Macron, Deutschland und Europa mit Vollgas gegen die Wand fahren, wie im vierten Heft illustriert und beschrieben, spricht sich langsam auch in den politisch korrekten Kreisen herum.

Hoffentlich liegen wir wenigstens mit unserem aktuellen Cover falsch. Es zeigt EZB-Chef Mario Draghi als Vampir. Als einen, der mit seiner verantwortungslosen Geldpolitik die europäische Wirtschaft ruiniert und die Bürger aussaugt, bis auf den letzten Tropfen. Selbst der robusten deutschen Lokomotive dürfte die Zuglast, die von Jahr zu Jahr größer wird, bald zu schwer werden. Der Wirtschaftsphilosoph Rahim Thagizadegan, einer der klügsten Köpfe Österreichs, hat die derzeitige Konjunkturerholung längst als Blase entlarvt.

Neben der EU-Finanzpolitik sind auch die Kryptowährungen ein Schwerpunkt dieser Ausgabe. Die stehen derzeit unter medialem Dauerbeschuss. Denn: Wer das Bargeld abschaffen will, der muss auch gegen Kryptowährungen sein, wie Wirtschaftspublizist Michael Brückner in diesem Heft schreibt. Bei diesem Thema gehen die Meinungen unserer Autoren weit auseinander. Während für Michael Hörl das Scheitern der neuen Währungen quasi vorprogrammiert ist, hält Brückner den Bitcoin-Crash für ein abgekartetes Spiel. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Natürlich ist auch die neue österreichische Regierung Thema. Ohne das gewohnte FPÖ-Bashing. Es geht auch nicht um Anti-Rauchervolksbegehren oder Polizeipferde. Wir schauen gerne hinter die Kulissen, beschäftigen uns mit grundsätzlichen politischen Fragen. Das heißt nicht, dass wir den Freiheitlichen, den Türkisen oder der neuen Regierung unkritisch gegenüberstehen würden. Ganz und gar nicht.

Ich wünsche Ihnen eine spannende und aufschlussreiche Lektüre.

Werner Reichel
Chefredakteur
Team Stronach Akademie
Verlag Frank&Frei
Nikolsdorfer Gasse 1, 1050 Wien
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